Deutsche Riesen-Haltung – artgerecht geht anders

Artgenossen, sehr viel Platz und artgerechtes Futter – viel mehr brauchen Kaninchen nicht. Dennoch gehört eine artgerechte Kaninchenhaltung noch immer nicht zum Standard. Bei der Deutsche Riesen-Haltung sind noch einige weitere Besonderheiten zu beachten.

Grundsätzliches zur Kaninchenhaltung

Als gesellige Tiere, die in der Natur in großen Kolonien leben, benötigen Kaninchen auch als Haustier mindestens einen Artgenossen. Artgenosse bedeutet, dass der Partner ein Kaninchen ist, kein Meerschweinchen und kein Mensch.

Grundfutter von Kaninchen ist nicht, wie häufig angenommen, das Heu, sondern Grünfutter. Da kaum jemand bereit ist, täglich größere Mengen Kaninchen-Frischfutter herbeizuschaffen, hat sich das Heu etabliert. Das heißt aber nicht, dass wir uns als Kaninchenhalter auf der „Heu-Wasser-Diät“ ausruhen dürfen, denn die ist alles andere als tiergerecht. Heu und Wasser gibt es immer zur freien Verfügung. Frischfutter muss aber dennoch täglich gegeben werden. Zusätzlich könnt ihr Fertigfutter füttern, welches getreidefrei sein sollte. Knabberstangen, Joghurtdrops und bunte Leckerlies haben nichts im Futternapf eurer Kaninchen zu suchen.

Kein Käfig der Welt kann Kaninchen ein artgerechtes Leben ermöglichen. Auch dann nicht, wenn er stundenweise geöffnet wird, damit die Tiere Auslauf haben. Kaninchengerecht geht es nur in einem Gehege mit einer Größe von mehreren Quadratmetern. Ob Zimmergehege oder Außengehege, ist dabei zweitrangig.

Besonderheiten der Deutsche Riesen-Haltung

Noch immer findet man Deutsche Riesen auf Höfen oder in Gärten, wo sie der Fleisch- und Fellgewinnung dienen. Sie sind die typischen „Stallhasen“, die ihr Dasein noch immer viel zu oft in kleinen, dunklen Holzbuchten fristen müssen. Ihresgleichen bekommen sie allenfalls kurz zu sehen, um Nachwuchs zu zeugen. Den Rest der Zeit sitzen sie allein und knabbern gelangweilt an ihrem pelletierten Mastfutter.

Kein Kaninchen sollte so gehalten werden, doch allein aufgrund ihres Wesens eignen sich Deutsche Riesen von allen Kaninchenrassen am allerwenigsten für diese Haltungsform. Denn wer einmal Riesen gehalten hat, weiß von ihrer Anhänglichkeit und dem Bedürfnis, immer dabei zu sein. Nicht selten laufen sie wie Hunde hinter ihren Menschen hinterher.

Die Zucht als Schlachttier hatte Folgen, an denen die Deutschen Riesen noch immer leiden. Größe und Gewicht standen immer im Vordergrund. Zwar ruderte man etwa 1937 etwas zurück und versuchte sie wieder etwas leichter und kürzer zu züchten, doch gesundheitliche Probleme haben sie bis heute. Nicht alle Organe haben das massive Wachstum mitmachen können. Das Herz-Kreislaufsystem hält Belastungen kaum stand. Sie vertragen Hitze schlechter als ihre kleineren Vertreter, werden selten so alt wie sie und können in großen Schreckmomenten (z.B. Baufahrzeuge, bellende Hunde) leicht einen Herzschlag oder Ähnliches bekommen. Auch Skelettprobleme, aufgrund der langen Wirbelsäule vor allem im Rückenbereich, kommen vor.

Bei großen Kaninchenrassen wie dem Deutsche Riesen solltet ihr das Gewicht im Auge behalten. Für die Mast wird getreidereiches Fertigfutter verwendet, welches Kaninchen grundsätzlich nicht bekommen sollten. Heu und Frischfutter wird deshalb in großen Mengen benötigt. Wer einen großen Garten mit natürlichem Grünwuchs hat und seine Kaninchen dort laufen lassen kann, ist klar im Vorteil. Gerade im Winter muss unter Umständen vermehrt Wurzelgemüse gefüttert werden, damit sie nicht zu dünn werden. Geeignet sind neben Möhren vor allem Steckrüben, Pastinake und Sellerie. Bei Tieren, die bereits abgemagert sind, können in Maßen zusätzlich Erbsenflocken, Hirse, Sonnenblumenkerne und Johannisbrot.

 

 

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