Hund aus Tierheim – Erfahrung von Patricia mit Cosmo

„Ich würde mich immer wieder für ein Tier aus dem Tierschutz entscheiden!“ sagt Patricia, dessen Schäferhundmischling Cosmo aus einem polnischen Tierheim stammt. Sie macht damit den Anfang einer Blogreihe, in der nach und nach hoffentlich viele Tierhalter ihre Erfahrung mit Tierheimtieren teilen.

Wie bist du zu deinem Tier gekommen?

Als meine alte Hündin gestorben ist, war sofort klar, dass wir schnell wieder einen Hund in unserer Familie aufnehmen wollten. Mein erster Gang führte mich ins örtliche Tierheim. Für mich ist es irgendwie logisch, als erstes vor Ort zu gucken.

Als ich dort nicht fündig geworden bin, habe ich mich durch die unendliche Menge an Internetportalen, auf denen Hunde aus dem In- und Ausland vermittelt werden, geklickt. Die Auswahl hat mich erschlagen und so richtig fehlte mir auch das Vertrauen in die Tierschutzvereine. Die Beschreibungen dort sind mir einfach viel zu emotional und zielen doch oft nur auf das Mitleid potentieller Adoptanten ab, ohne echte Informationen zu liefern.

Zum Glück fiel mir wieder ein, dass unsere ehemalige Hundetrainerin einen Verein zur Unterstützung von zwei polnischen und einem ungarischen Tierheim gegründet hat. Dieser Verein unterstützt in erster Linie mit Hilfe vor Ort, also z.B. durch Sachspenden oder Modernisierungsmaßnahmen. Die Tierheime dort sind ja vom Standard her überhaupt nicht mit unseren deutschen Tierheim zu vergleichen. Da die Tiere in diesen Ländern auch so gut wie keine Aussicht auf Vermittlung haben, kann man über den Verein auch Hunde adoptieren.

Diese Bekannte rief ich also an und fragte, ob sie einen Hund für mich habe. Der Vorteil war, dass sie mich und meine Familie und auch alle zu vermittelnden Hunde persönlich kennt und als ausgebildete Hundetrainerin diese auch gut einschätzen kann. Die Frage „Was suchst du denn für einen Hund?“, konnte ich leicht beantworten. Fit, verträglich und möglichst nicht älter als ein Jahr. Aussehen, Geschlecht und Größe waren mir dabei völlig egal. Sofort fiel der Name Cosmo. „Der Hund passt zu euch. Ihr werdet es nicht bereuen.“

So zog also im Juli diesen Jahres Cosmo im Alter von ca. 7 Monaten bei uns ein. Cosmo wurde mit seinen Geschwisterchen einfach ausgesetzt, hatte also quasi sein gesamtes bisheriges Leben im Tierheim verbracht. Wenn ich mir den kleinen Kerl so anschauen, habe ich oft das Gefühl als hätte ich ihn mir in einem Katalog bestellt. Mit allen Extras. Er ist einfach perfekt.

Hattet ihr irgendwelche Probleme?

Klar, nicht alles lief von Anfang an völlig reibungslos. Cosmo war unglaublich ängstlich. Er kannte ja nur das Leben im Tierheim. Begegneten uns fremde Menschen, legte Cosmo sich erstmal an den Straßenrand und blieb liegen. An Fahnen, großen Schildern oder Sonnenschirmen, konnte ich mit ihm in den ersten Wochen nicht vorbei gehen und auch bei Hundebegegnungen legt er sich bis heute manchmal noch hin.

Cosmo hat sich auch sehr an mir orientiert und ich konnte anfangs ohne ihn eigentlich nirgendwo hin gehen. Er verfiel direkt in Panik, wenn ich nicht mehr da war. Doch mit viel Gelassenheit, Ruhe und Geduld, haben wir das alles sehr gut in den Griff bekommen. Ich denke wenn man sich einen Welpen ins Haus holt, hat man ähnliche Probleme.

War etwas besonders schön?

Wie schon gesagt, habe ich das Aussehen des Hundes bei meiner Wahl völlig außer Acht gelassen. So kam es dann auch, dass Cosmo auf der vereinseigenen Internetseite unter den Junghunden wirklich der hässlichste Welpe war. Auf keinem der Fotos, die wir von ihm bekamen, waren seine Ohren zu sehen. Wir waren uns eigentlich schon sicher, dass er keine hat.

Als dann der Tag der Übergabe kam, hüpfte ein wirklich bildschöner Schäferhundmischling aus seiner Box. Mit den größten und lustigsten Ohren, die ich je bei einem Hund gesehen habe. Wegen seiner Ohren hat er von uns den Beinamen Fledermaushund bekommen.

Würdest du dich wieder für ein Tierheimtier entscheiden?

Cosmo ist schon der zweite Hund, den wir aus einem Tierheim „gerettet“ haben. Ich würde mich immer wieder für ein Tier aus dem Tierschutz entscheiden. Die Heime sind voll von tollen Hunden, die nur darauf warten von jemandem der beste Freund zu werden. Bei der Vielzahl der armen Hunde, die nicht in einer Familie aufwachsen können, würde ich es einfach nicht übers Herz bringen, einen Hund bei einem Züchter zu kaufen.

Was rätst du Menschen, die darüber nachdenken, erstmalig ein Tier aus dem Tierheim zu adoptieren, sich aber unsicher sind, was da auf sie zukommen wird?

Ich kann Aussagen wie „Man muss schon wissen worauf man sich einlässt, wenn man einen Hund aus dem Tierheim nimmt“ nicht nachvollziehen. Man kann nie genau wissen, worauf man sich einlässt. Auch wenn man einen reinrassigen Welpen vom zertifizierten Züchter kauft, weiß man nicht, wie sich dieser entwickeln wird.

Richtig ist natürlich, dass man nicht weiß, welche guten und schlechten Erfahrungen der adoptierte Hund bereits gemacht hat. Auch wie es um die Gesundheit steht, weiß man nicht so genau. Cosmo z.B. bekommt bei uns sehr hochwertiges Futter und wird, da er sich noch im Wachstum befindet, die Treppe runtergetragen. In seinen ersten Monaten im Tierheim ist er nur von Schlachtabfällen ernährt worden. Ich gehe auch nicht davon aus, dass sich dort jemand um seine Gelenke geschert hat. Es besteht also die Gefahr, dass seine schlechte Versorgung in den ersten Lebensmonaten nicht gerade zu seiner Gesundheit beigetragen hat. Hier muss man also schon mal Abstriche machen. Auf der anderen Seite kenn ich auch viele Hunde vom Züchter, die wirkliche schlimme organische Erkrankungen oder Schwierigkeiten mit den Gelenken haben.

Ansonsten kann ich nur jedem raten, sich den Hund, in den man sich verliebt hat, genau anzuschauen,so oft es geht mit ihm spazieren zu gehen und auch zu schauen, wie er auf andere Hunde, Jogger, Fußgänger, etc. reagiert. Auf keinen Fall würde ich mich nur auf die Aussagen des Tierheimpersonals verlassen. Manche Hundetrainer bieten auch eine Beratung an und kommen sogar mit ins Tierheim, um das Tier zu begutachten und dem zukünftigen Halter eine Einschätzung zu geben.

Außerdem sollte man sein Mitleid zu Hause lassen und sich stattdessen überlegen, welcher Hund am besten zu einem passt. Welchen Aktivitätslevel habe ich? Wieviel Platz habe ich? Kann es auch ein älterer Hund sein? Und nicht zuletzt, werde ich immer für diesen Hund da sein können? Denn nichts ist trauriger als ein geretteter Tierheimhund, der dann ein zweites Mal im Tierheim landet.

Vielen Dank, liebe Patricia!

Ihr wollt mehr von Patricia und Cosmo erfahren?
Dann schaut auf ihren Blog Frau Holles Toechter vorbei.

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