Dem Hund ist langweilig? Nasenarbeit und interaktives Spielzeug können helfen

Hunde brauchen nicht nur Bewegung, sondern auch Schnüffeln, Kauen, Lernen und Ruhe. Foto: © Liana / stock adobe

Ein zerkautes Sofa, zerkratzte Türen, verstreute Gegenstände – für den Halter oft ein Zeichen, dass der Hund einfach zu viel Energie hat. Tatsächlich zerstört ein gelangweilter Hund häufiger die Wohnung als ein Tier, das angemessen beschäftigt wird, aber die Ursachen können vielfältig sein.

Wenn ein Hund Dinge kaputt macht, bellt, an Türen kratzt oder in die Leine beißt, lohnt sich ein Blick nicht nur auf die Länge der Spaziergänge, sondern auch auf das Maß an geistiger Auslastung, Spiel und Gelegenheiten zum Kauen oder Schnüffeln.

Es geht nicht immer um einen langen Spaziergang

Ein langer Spaziergang ist wichtig für die Fitness und das Wohlbefinden des Hundes, löst aber nicht jedes Problem. Ein erwachsener Hund kann körperlich erschöpft vom Hof zurückkehren und trotzdem noch nach einer Beschäftigung für Schnauze und Pfoten suchen. Das Problem beginnt oft dann, wenn das Tier über längere Zeit nichts zu tun hat und sein gesamtes Verhalten darauf ausgerichtet ist, sich selbst Unterhaltung zu suchen.

Futter einfach nur im Napf zu servieren und eine Runde um den Block zu drehen, reicht also möglicherweise nicht aus. Für viele Hunde sind kurze Trainingseinheiten, das Suchen nach Leckerlis oder einfache Schnüffelaufgaben attraktiv. Solche Aktivitäten müssen nicht lange dauern – schon eine kurze Zeit gut geplanter geistiger Arbeit kann den Vierbeiner mehr fordern als zielloses Umherlaufen auf immer derselben Strecke.

Dabei sollte man bedenken, dass nicht jeder Spaziergang gleich aussehen muss. Einmal kann man dem Hund erlauben, die Gegend in Ruhe zu erkunden und ausgiebig zu schnüffeln, ein andermal kann man den Ausflug mit ein paar einfachen Übungen verbinden. So besteht die tägliche Aktivität nicht mehr nur aus dem Zurücklegen von Kilometern, sondern erfüllt auch das Bedürfnis, die Umgebung kennenzulernen und kleine Herausforderungen zu meistern.

Zerstört der Hund Dinge, wenn er allein ist?

Wenn der Hund die Wohnung hauptsächlich dann verwüstet, wenn er allein gelassen wird, sollte man nicht sofort davon ausgehen, dass ihm langweilig ist. Wenn er Türen zerstört, bellt, versucht, aus dem Laufstall oder der Box auszubrechen, oder sich sofort stark aufregt, kann die Ursache ein Problem mit dem Alleinbleiben oder manchmal sogar Trennungsangst sein. In einem solchen Fall wird das Hinzufügen immer längerer Spaziergänge den Hund nicht zwangsläufig beruhigen.

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Es lohnt sich zu überprüfen, was das Tier tut, nachdem der Halter gegangen ist, und nach welcher Zeit es unruhig wird. Eine Kamera kann zeigen, ob der Hund eine Weile spielt und dann einschläft, oder ob er gar nicht zur Ruhe kommen kann. Wenn das Problem stark ausgeprägt ist, ist es ratsam, sein Verhalten mit einem Tierverhaltensberater zu besprechen, und bei plötzlichen Verhaltensänderungen, Erbrechen oder Durchfall – auch mit einem Tierarzt.

Nase statt Kilometer

Schnüffeln ist für den Hund eine natürliche Art, seine Umgebung zu erkunden. Anstatt die gesamte Tagesration Futter im Napf zu servieren, kann ein Teil davon für einfache Schnüffelspiele verwendet werden. Leckerlis oder Futter können an einigen sicheren Orten im Haus versteckt, auf einer Matte verstreut oder in einem Spielzeug platziert werden, aus dem der Hund sie herausholen muss.

Schnüffelmatten bewähren sich bei vielen erwachsenen Hunden und Welpen, sofern das Spiel an die Fähigkeiten des Tieres angepasst ist. Ein Welpe braucht anfangs vielleicht eine leichte Aufgabe, während ein Hund, der das Prinzip des Spiels schnell versteht, nach und nach schwierigere Herausforderungen bekommen kann. Es geht darum, dass die Hunde die Chance auf ein Erfolgserlebnis haben und nicht durch unerreichbares Futter frustriert werden.

Nasenarbeit bedeutet dabei nicht, dass man jedes Mal neues Zubehör kaufen muss. Einfache Spiele lassen sich auch in der Wohnung vorbereiten, z. B. indem man ein paar Leckerlis in verschiedenen Räumen versteckt und den Hund ermutigt, sie zu finden. Zu Beginn sollten die Verstecke einfach sein, später kann man den Schwierigkeitsgrad allmählich erhöhen. So kann der Halter die Aufgabe an die Erfahrung seines Vierbeiners anpassen und beobachten, ob der Hund weiterhin mit Interesse spielt.

Ein Spielzeug, das dem Hund eine Aufgabe gibt

Interaktives Spielzeug, wie Leckerlibälle, Schleckmatten oder sichere Kauartikel, sollte an Größe, Alter und Spielstil des Hundes angepasst werden. Das eine Tier schiebt Elemente vorsichtig mit der Nase hin und her, ein anderes versucht sofort, das Ganze zu zerbeißen. Daher sollten die ersten Spiele unter Aufsicht des Halters stattfinden und der Zustand des Zubehörs regelmäßig überprüft werden.

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Man muss dem Hund auch nicht alle Spielzeuge gleichzeitig und ständig zur Verfügung stellen. Einen Teil kann man weglegen und alle paar Tage austauschen, sodass ein bekannter Kauartikel oder ein interaktives Spielzeug wieder interessant werden kann. Eine solche Rotation bringt Abwechslung in den Alltag, ohne dass ständig neue Dinge gekauft werden müssen, und ermöglicht es besser zu erkennen, welche Spielformen einen bestimmten Hund wirklich fesseln.

Trotz langem Spaziergang dreht der Hund immer noch auf?

Viele Hundehalter kennen dieses Szenario: „Ich war bereit für einen langen Spaziergang und hoffte, dass der Hund nach der Rückkehr nach Hause sofort einschläft.“ Stattdessen nimmt das Tier den Ball, bringt ihn zurück oder fängt an, den Halter zu belästigen. Sofort denkt man dann: „Ich verstehe ja, dass er Bewegung braucht, aber wie viel denn noch?“. In einer solchen Situation ist es besser, die Art der Aktivität zu ändern, anstatt einfach nur weitere Kilometer anzuhängen.

Nach dem Spaziergang kann man ruhiges Kauen, Schlecken oder das Suchen von Leckerlis anbieten. Hilfreich ist auch ein fester Tagesrhythmus, durch den der Hund lernt, dass nach dem Spielen Ruhe auf dem Schlafplatz folgt. Wenn das Tier mit den Pfoten Aufmerksamkeit fordert, die Hände des Halters mit der Schnauze greift oder weiterhin intensiv spielen möchte, kann man es auf einen Kauartikel oder eine kurze Schnüffelaufgabe umlenken.

Wie bringt man Abwechslung in den Tag, ohne den Hund zu überlasten?

Man muss dem Hund nicht ständig Attraktionen bieten. Ruhe ist ein wichtiger Teil im Leben des Tieres, daher ist es am besten, Bewegung, geistige Arbeit und ruhige Aktivitäten abzuwechseln. In der Praxis kann man:

  • einen Teil der täglichen Futterration in einer Schnüffelmatte oder einem Futterspielzeug servieren;
  • einmal am Tag ein kurzes Training oder ein Suchspiel nach Leckerlis einbauen;
  • nach dem Spaziergang Kauen anstelle einer weiteren Balljagd anbieten;
  • das Alleinbleiben schrittweise trainieren und von einem Welpen nicht erwarten, dass er sofort lange durchhält.
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Das Zerstören von Dingen durch einen Welpen bedeutet nicht immer dasselbe Problem wie bei einem erwachsenen Hund. Der Kleine erkundet die Welt mit der Schnauze, lernt Regeln und braucht Beaufsichtigung; daher lohnt es sich, die Umgebung abzusichern und ihm erlaubte Dinge zum Kauen zu geben. Eine Box oder ein Laufstall können Teil eines ruhigen Trainings sein, sollten aber nicht ausschließlich dazu dienen, den Hund vom Sofa fernzuhalten, ohne an der Ursache des Verhaltens zu arbeiten.

Im Tagesplan sollte man auch Platz für das bloße „Nichtstun“ lassen. Ein Hund, der nach jedem Blick zum Halter einen Ball, Leckerlis oder eine neue Aufgabe bekommt, könnte Schwierigkeiten haben, von selbst zur Ruhe zu kommen. Es lohnt sich also zu beobachten, ob er nach einer Aktivität auf seinen Schlafplatz zurückkehren und entspannen kann. Das Gleichgewicht zwischen Spiel, Spaziergang, Training und Ruhe ist oft wichtiger als das bloße Erhöhen der Anzahl an Aktivitäten.

Körperlich erschöpft bedeutet nicht immer ruhig

Wenn der Hund Dinge zerstört, scheint es naheliegend, dass man ihn einfach „auspowern“ muss. Dabei brauchen Tiere nicht nur Bewegung, sondern auch Schnüffeln, Kauen, Lernen und Ruhe. Gut ausgewähltes Spielzeug, Schnüffelmatten, Leckerlis und kurzes Training helfen dabei, den Tag so zu gestalten, dass das Demolieren der Wohnung nicht die interessanteste verfügbare Beschäftigung ist.

Tritt das Zerstören jedoch plötzlich auf, ist es sehr intensiv oder wird von anderen beunruhigenden Symptomen begleitet, sollte man nicht alles auf Langeweile schieben. Dann lohnt es sich, die Ursache gemeinsam mit einem Tierverhaltenstherapeuten oder Tierarzt zu suchen. Manchmal ist die Antwort mehr Nasenarbeit, manchmal das Üben des ruhigen Alleinbleibens – und die Beobachtung des Hundes wird helfen, besser einzuschätzen, was er wirklich braucht.

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Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).